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Zuckerfrei – die erste Woche

Ein paar Wochen vor Weihnachten hatte ich diese vernünftige, gesunde Phase: Mal eben ruckzuck alle Süßigkeiten vom Speiseplan gestrichen, mich sehr schnell sehr viel besser gefühlt und in vier Wochen vier Kilo abgenommen. Schwer war das am Anfang – ist ja auch zu schön, den Abend, wenn der kleine Knautz schon im Bett liegt, gemütlich mit der aktuellen Folge The Affair und einem Eimer Ben & Jerry’s zu verbringen. Ich bin ehrlich – die ersten drei Tage waren so hart, ich stand kurz davor, eine Packung Zartbitter-Kuvertüre aus dem Schrank mit meinen Backutensilien zu reißen, am Stück herunterzuschlingen und mir danach eine Packung Dekor-Herzen und Zuckerperlen in den Hals zu schütten. Aber ich atmete tief durch, biss die Zähne zusammen und machte mir höchstens noch eine Tasse Caramel Apple Pie-Tee (übrigens meine Empfehlung, um die ersten harten Abende zu überstehen. Der Tee ist wirklich lecker, aber „nur“ mit Stevia gesüßt. Auch nicht das Gelbe vom Ei, aber allemal besser als ein richtiger Caramel Apple Pie). Nach ein paar Tagen war dann alles besser und die vier Wochen recht schnell um. Verzichtet hatte ich dabei nur auf Süßigkeiten. Obst, Honig, Balsamico-Essig, die Prise Zucker in der Tomatensauce… das alles war weiter erlaubt.

Dann kam Weihnachten und brach wie eine Lawine über meine Disziplin herein. Es gab Plätzchen, Schokolade, Glühwein, Apple Crumble, Eierlikörkuchen… das alles in der vierfachen Dosis, die vielleicht noch okay für mich gewesen wäre. Ich fühlte mich, wie man sich über die Weihnachtstage eben so fühlt: Total satt und überfressen, aber irgendwie geht immer noch was rein. Ist ja halb so schlimm, wenn man dann, wenn langsam der Alltag einkehrt, einfach wieder aufhören kann. Nun, das ist bei mir leider nicht der Fall. Genau hier sagt eine Stimme in meinem Kopf jedes Mal den Satz: „Hallo, mein Name ist Sarah und ich bin süchtig.“ Süchtig nach Zucker. So, wie andere süchtig sind nach Zigaretten, Alkohol oder nach was auch immer man noch süchtig sein kann.

Und ganz im Ernst: Dieses Sucht-Ding, das ist nicht meins. Es gibt Menschen, die kein Problem damit haben, abhängig zu sein. Die es nicht stört, wenn ihre Hände zittern und sie unausstehlich werden, wenn die Schachtel Zigaretten leer und der nächste Zigarettenautomat 20 Kilometer entfernt ist. Aber ich, ich will das nicht. Ich will nicht abends nervös auf dem Sofa hin- und herrutschen, wenn keine Schokolade im Haus ist, ich will nicht, dass meine Gedanken sich nur noch um die Packung Kekse drehen, die geöffnet und noch halbvoll auf dem Tisch liegt, so lange, bis alle Kekse aufgegessen sind. Ich möchte das nicht mehr.

Entzug in 8 Wochen

So war ich ein Easy target, als ich auf Instagram von „Goodbye Zucker“ von Sarah Wilson las und das Buch ein paar Tage darauf im Laden vor mir lag: Das Buch muss mit. 8 Wochen ohne Süßigkeiten, ohne jeglichen Industriezucker, ohne Honig, ohne Agavensirup, ohne Obst, ohne Fruchtsaft. Mal sehen, ob ich das durchhalte. Das Buch selbst baut dahingehend zunächst keinen Druck auf: Auf den ersten Seiten lese ich mehrfach, ich solle es doch einfach mal ausprobieren, einfach mal abwarten, was passiert, und aussteigen könne ich ja immer noch. Nun denn.

Die ersten beiden Wochen des 8-Wochen-Programms erleichtern den Einstieg: In der ersten Woche wird der Zuckerkonsum langsam eingeschränkt, statt des morgendlichen Marmeladentoasts gibt es Toast mit Avocado, Wasser oder ungesüßter Tee ersetzen Cola oder Apfelschorle. In der zweiten Woche wird alles zuckerhaltige durch Fett ersetzt. Gesnackt werden ab jetzt Nüsse und Käse statt Kekse und Chips. Ab Woche drei sind auch Obst und Fruchtsäfte ohne Ausnahme gestrichen, genauso wie Fertigmüsli, Honig, Marmelade, Ketchup – kurz: alles, was Zucker enthält. Außerdem wird möglichst immer frisch gekocht. Das Buch liefert 108 zuckerfreie Rezepte: viele verschiedene Frühstücksideen, Hauptgerichte, Snacks und Rezepte für Kinder.

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Die erste Woche – wie war’s?

Beim Lesen des Buchs fiel mir schnell auf, dass für mich, sehen wir mal von den Süßigkeits-Attacken und gelegentlichen Ausrutschern aka Bestellungen beim Lieferdienst ab, die ersten beiden Wochen des Programms der „Normalzustand“ sind. An einem normalen, guten Tag frühstücke ich keine Marmeladenbrote, trinke keine Softdtrinks oder Saftschorlen und verwende keine Fertigprodukte, in denen sich Zucker verstecken könnte. Ich esse nicht übermäßig viel Obst und koche mit frischen Zutaten. Die Herausforderung für mich wird sein, genau das jetzt immer zu tun – jeden Tag. Kein Lieferdienst, keine Familienpackung Oreos vor dem Fernseher, kein Nutella-Brot zwischendurch, kein Joghurt mit Keksstückchen drin. Und weil ich das als nicht so schwer einschätze, weil meine Gewohnheiten schon zu einem großen Teil dem entsprechen, was das Programm vorgibt, habe ich auch in der ersten Woche bereits versucht, so rigoros wie möglich auf Zucker zu verzichten.

Wie erwartet sind dabei die ersten beiden Tage am schwierigsten. Wieder sitze ich abends da und weine still in meinem Caramel Apple Pie-Tee, in Gedanken an eine Packung Kinderriegel. Am dritten Abend spüre ich zum ersten Mal kein Verlangen nach Süßem und fühle eine erste Siegessicherheit.

Dann kommt Tag vier: Ich wache morgens mit einem eigenartigen Geschmack im Mund auf, den ich den halben Tag nicht loswerde. Zum Frühstück gibt es Rührei und Käsebrot, mittags Vollkornnudeln mit selbst gekochter Linsen-Bolognese. Alles richtig gemacht bisher. Trotzdem fühle ich mich müde und erschöpft, gegen Mittag bekomme ich Kopfschmerzen, die den ganzen Tag nicht mehr verschwinden. Mein Magen fühlt sich permanent leer an, ich habe das Gefühl, mein ganzer Körper schreit nach Zucker. Noch nie erschien mir ein Stück Obst so attraktiv wie die Banane im Obstkorb (die aber dem kleinen Knautz gehört). Außerdem habe ich ständig Durst und greife ständig nach der Wasserflasche, um nicht im nächsten Moment zu verdursten. Sind das jetzt wirklich Entzugserscheinungen? Nachts wache ich mit einem riesigen Loch im Magen auf, die Kopfschmerzen sind noch da, ich brauche ewig, bis ich wieder einschlafen kann, und freue mich wie verrückt auf den Kaffee mit Milch zum Frühstück.
Tag fünf – ich stehe auf und fühle mich hellwach und topfit. Die Kopfschmerzen sind verschwunden. Das gute Gefühl bleibt den ganzen Tag, von Heißhunger auf Süßes keine Spur.
An Tag sechs gibt es Chia-Pudding zum Frühstück, den ich am Vorabend mit ungesüßter Mandelmilch angesetzt habe. Ich bin wie immer late to the party und habe noch nie Chiasamen probiert, habe aber selten Positives darüber gehört. Auf das Schlimmste gefasst stelle ich fest: Ist doch eigentlich ganz lecker. Und lange satt macht es auch noch. Am Vormittag backe ich Cheesecake-Brownies für die Mamas in meiner Krabbelgruppe – und schaffe es tatsächlich, kein Stück zu probieren.

Dann ist die Woche plötzlich schon zu Ende, und ich kann sagen: Ich habe es tatsächlich geschafft, den Zucker auf ein Minimum zu beschränken. Da ich kein Freund der Lebensmittelverschwendung bin, mussten diverse Vorräte, die noch im Haus waren und sich vielleicht nicht ganz so gut mit dem Zuckerfrei-Projekt vertragen (z.B. eine Dose Knack&Back Sonntagsbrötchen), aufgebraucht werden. Darüber hinaus gab es keinerlei Ausnahmen. Auch kein Obst.

Und wie fühle mich mich jetzt?

Ein Wort: Gut. Bereits jetzt fühle ich mich wacher und fitter, und wenn ich in den Spiegel sehe, ist mein Gesicht weniger aufgeschwemmt. Das ständige Durstgefühl ist gegen Ende der Woche wieder zurückgegangen und ich bin den ganzen Tag über angenehm satt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, und gehe mit einem positiven Gefühl in die nächste Woche. Auf die nächsten 7 zuckerfreien Wochen!

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